
Noch erst vor kurzem war das BYOD-System in den Schulen ein grosses Thema. Das bring-your-own-device-System ermöglicht Schülerinnen und Schülern ein eigenes Gerät von zuhause in die Schule zu nehmen oder eines der Schule auszuleihen und damit lernen umzugehen und es im Unterricht einzusetzen. So war es auch bei mir in der Sekundarstufe der Fall. Soll dieses System eingeführt werden? Was sind seine Vorteile und Nachteile? Wie wirkt sich das System auf die Lernfähigkeit der Schülerinnen und Schüler aus? Solche Fragen stellten sich täglich. Schliesslich kam der Kanton zu einem Entschluss und führte dieses System ein. Dadurch haben sich erstmals viele Möglichkeiten ergeben. Jeder Schüler und jede Schülerin konnte nun mit dem eigenen Gerät arbeiten. Doch das System brachte auch seine Nachteile. Die Schülerinnen und Schüler waren als Beispiel schneller abgelenkt vom eigentlichen Unterricht, hatten die Möglichkeit, anderen Interessen nachzugehen oder verloren das Gespür, wie sie Wissen richtig aufnehmen. Dieses Problem der aufkommenden und schon vorhandenen Digitalisierung an Schulen spricht auch Roland Reichenbach, Schweizer Erziehungswissenschaftler, in einem Interview in «Das Magazin» an (Z. 18). Er ist der Überzeugung, dass die Realität das Schulsystem überholt, die Schulen sich jedoch nicht zu schnell anpassen sollten und lieber das, was sich bewährt hat, bewahren und weitergeben (Z. 8-9). Dabei spielt die Digitalisierung eine wichtige Rolle.So stellt sich die Frage, ob Schulen in den kommenden Jahren aufgrund der Digitalisierung ihr Schulsystem den Umständen entsprechend anpassen sollen.
«Man sollte das, was sich bewährt hat, bewahren und weitergeben.» (Z. 9). Roland Reichenbach ist der festen Überzeugung, dass die Realität das Schulsystem überholt, die Schulen sich jedoch nicht zu schnell anpassen sollten und lieber das, was sich bewährt hat, bewahren und weitergeben sollten. Ein weiterer wichtiger Punkt, den Reichenbach anspricht, ist die Digitalisierung, welche sich in den Schulen breitmacht. Laut Reichenbach sollen die Schulen sogar von den digitalen Medien dominiert werden und die digitalen Medien uns ablenken sollen. Es seien jedoch nicht die Medien an sich, sondern die Zeit, die man verschwende, ohne damit die Fähigkeiten der Nutzer zu stärken.
Ich denke, dass Roland Reichenbach in einigen Punkten völlig richtig liegt. Beispielsweise, dass Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen, Fähigkeiten sind, welche man sich mühsam erarbeiten muss und sich das nie ändern wird. Um diese Fähigkeiten nicht zu verlieren, sollte kein zu schneller Umstieg auf ein digitales Schulsystem geschehen, denn diese Fähigkeiten sind zurzeit noch wichtige Grundlagen für den Eintritt in die Arbeitswelt oder das Zurechtkommen im Alltag.
Ich vermute jedoch, dass Roland Reichenbach selbst keine Erfahrung bezüglich des Unterrichts mit digitalen Geräten hat, zumindest nicht eine solche Erfahrung, wie sie Schüler und Schülerinnen haben, welche sich jeden Tag in das Unterrichtszimmer setzen und mit ihren Geräten arbeiten. Deshalb denke ich, dass seine Aussagen teils nicht gerechtfertigt sind, da er nicht selbst Teil des schulischen Alltags ist und die praktische Perspektive der Lernenden nicht unmittelbar erlebt. Ich selber arbeite jeden Tag mit meinem Laptop. Ich kann mir kaum vorstellen, wie es ohne Laptop wäre. Man hat Zugang zu einer enormen Wissensanlage, welche einem die Möglichkeit gibt, unglaubliche Mengen an Wissen zu erarbeiten. Zudem ermöglicht ein Gerät eine vereinfachte und effiziente Organisation/Übersicht. Wenn sich die Welt laut der Person, die das Interview mit Roland Reichenbach führt, zurzeit wirklich radikal verändert (Z. 1), sind die Fähigkeiten mit digitalen Geräten, damit meine ich beispielsweise das Erfassen von E-Mails, die Verwendung von Excel oder das schnelle und praktische Erfassen von Texten mithilfe der Tastatur, von weitaus grösserer Bedeutung als zum Beispiel eine schöne Schrift auf Papier. Deshalb bin ich der Ansicht, dass sich das Schulsystem in Zukunft sehr wohl aufgrund der Digitalisierung anpassen muss. Die Schulung, wie man Geräte richtig benutzt und effizient anwendet, wäre sicher schon mal ein erster Schritt. Das heisst jedoch nicht, dass ich das selber gut finde, aber es ist nun mal nötig, wenn sich die Welt selber verändert. Weil wer will schon in einem veralteten Schulsystem Schule haben, das einem Lesen, Schreiben und Rechnen beibringt, während die Welt ausserhalb der Schule ganz anders aussieht? Folgende Aussage von Reichenbach ist meiner Meinung nach nicht zutreffend oder nicht genug ausgeführt: «Was ist das Problem dabei?». «Dass die digitalen Medien uns ablenken. Es sind nicht die Medien an sich, es ist die Zeit, die man verschwendet, ohne damit den Menschen zu stärken.» (Z. 27-29). Digitale Medien verschaffen uns, wie schon zuvor angesprochen, enorme Möglichkeiten. Reichenbach hat schon recht, dass man sich durch Geräte ablenken lassen kann, doch das lässt sich ändern. So wie auch ich gerade diesen Text auf dem Safe-Exam-Browser schreibe, kann man Geräte auf andere Weise einschränken, um eine Ablenkung zu vermeiden. Denn eine Zeitverschwendung sind die Medien ganz sicher nicht. Basierend auf der Ablenkung, welche digitale Medien zur Folge haben können, zu sagen, dass eine Anpassung des Schulsystems im Hinblick auf die aufkommende Digitalisierung nicht nötig ist, ist schwachsinnig.
Ich komme zum Schluss, dass eine Veränderung des Schulsystems sehr wohl nötig ist, man jedoch in verschiedenen Bereichen vorsichtig sein muss. Lesen, Schreiben und sonstige Fähigkeiten dürfen und sollten meiner Ansicht nach nicht vollständig ausgelöscht werden. Es ist ebenfalls ein eingeschränkter Umgang mit digitalen Medien nötig, um sich nicht vollständig in den Geräten zu verlieren. Schule sollte weder blind am Alten festhalten noch sich kritiklos dem Neuen unterwerfen, sondern einen Mittelweg finden, der Bildung auch in einer digitalisierten Welt gerecht wird.